Die Geschichte des antiken Fächers ist sehr vielseitig. Wohl kaum ein anderes modisches Accessoire hat historisch eine so große Bedeutung wie der Handfächer. Erlebte er seine Blüte im 18. und 19. Jahrhundert, reicht seine Geschichte weit zurück bis in die Antike. So wie der Fächer einem Wandel unterlag, so änderte sich auch seine Funktion im Laufe der Zeit.

18. Jahrhundert – Goldenes Zeitalter in der Geschichte des Handfächers

Im 18. Jahrhundert zeichnete sich ein prägender Wandel in der Fächerkultur ab. Der Handfächer war bis zum 18. Jahrhundert aufgrund hoher Herstellungskosten nur der Aristokratie vorbehalten. Dies änderte sich im 18. Jahrhundert durch die Verbreitung von gedruckten Handfächern zu erschwinglichen Preisen.

Dabei avancierte der Fächer im 18. Jahrhundert in seiner Funktion zum unverzichtbaren Modeaccessoire. Auf Hochzeiten war der Handfächer ein beliebtes Geschenk für die Braut. Auch die Motive auf seinem Blatt waren im 18. Jahrhundert vielfältig und reich an Themen.

Faltfächer 18. Jahrhundert mit drei Vignetten ca. 1760

18. Jahrhundert – Faltfächer mit drei Vignetten ca. 1760

Seidenfächer mit Motiv Heiratsantrag ca. 1780

18. Jahrhundert Seidenfächer mit Heiratsantrag ca. 1780

Motive des 18. Jahrhunderts – Zeitzeugen der Geschichte

  • Berühmte historische Ereignisse der Geschichte und politische Slogans
  • Szenen der Liebe als beliebte Motive für Fächer (Hochzeitsfächer)
  • Szenen in Gartenlauben von Lustgärten (Arbour-Szenen)
  • Gestickte Verzierungen und Malereien auf Seide

Fächer des 18. Jahrhunderts waren durch den Einfluss Chinas geprägt und beinhalteten häufig drei Vignetten – eine Große, zwei Kleine. Die nun zu günstigeren Produktionskosten hergestellen Handfächer für die Masse waren in ihrer Qualität jedoch sehr gering. Teure, hochwertige Prestigeobjekte konnte sich im 18. Jahrhundert nur die Hofgesellschaft leisten.

19. Jahrhundert – Blütezeit in der Geschichte des Fächers

Im 19. Jahrhundert wurden die meisten Fächervariationen in der Geschichte des Handfächers produziert. In der Mode des 19. Jahrhunderts dominierte die Einfachheit und Ländlichkeit. Der Handfächer passte sich dem Stil des 19. Jahrhunderts an und war kaum größer als eine Handfläche.

Alphonse Baude verfeinerte 1859 die maschinelle Fächerherstellung und so ließ sich die stetig steigende Nachfrage nach Fächern bedienen. Dies machte Handfächer im 19. Jahrhundert noch günstiger für die breite Masse, mit gleichzeitig sinkender Qualität. Zwei pariser Unternehmen dominierten im 19. Jahrhundert den Handfächermarkt: Alexandre und Duvelleroy.

Spitzenfächer 19. Jahrhundert Chantilly ca. 1880

19. Jahrhundert – Chantilly Spitzenfächer ca. 1880

Spitzenfächer 19. Jahrhundert Brüsseler Spitze ca. 1870

19. Jahrhundert – Spitzenfächer Brüsseler Spitze ca. 1870

Funktion des Handfächers im 19. Jahrhundert

  • Eigentliche Funktion des Kühlens aufgrund der Größe des Handfächers verloren
  • Modisches Accessoire als Hauptfunktion
  • Fächer als Requisite für das Theater und den japanischen Fächertanz
  • Hilfsmittel zum Flirt mit dem Geliebten (Fächersprache)
  • Wanddekoration in den Häusern

Die 19. Jahrhundert abgebildete Themen waren vielfältig. Romantik und Literatur dominierten das Fächerblatt. Die Stäbe waren aufwendig verziert, bestehend aus Perlmutt, Elfenbein, lackiertem Holz.

Antike – Wunsch nach Kühlung als Ursprung des Handfächers

Ihren Höhepunkt erreichte die Fächerkultur zwar im 18. und 19. Jahrhundert, doch ihr Ursprung lag bereits in der Antike. Erste Fächerüberreste fand man bereits im Grab des ägyptischen Herrschers Tutanchamun. Reichlich verziert mit Edelsteinen und aus Gold sowie Straußenfedern, stellte der Fächer bereits die Macht seines Besitzers dar.

Charakteristik der Fächerkultur in der Antike

  • Kunstvoll dargestellte Szenen der Geschichte (Schlachten) und des häuslichen Lebens
  • Ausdruck von Macht in traditionellen Zeremonien
  • Elitäre Handfächer als Statussymbol
  • Einsatz einfacher Bambusfächer zur Kühlung
Tanagräische Terracottafigur mit Fächer Antike ca. 300 v. Chr.

Antike – Terracottafigur mit Fächer ca. 300 v. Chr.

16. Jahrhundert – Luxusgegenstand und Statussymbol

Der Handfächer etablierte sich im 16. Jahrhundert an den europäischen Höfen und im Adel. Der Federfächer war hierbei die bestimmende Fächerform. Hochwertig angefertigte Fächer aus Gold, mit Juwelen und Seidenquasten besetzt galten als Statussymbol und Luxus.

Handfächer in der Renaissance

  • Federfächer und Faltfächer populär im 16. Jahrhundert
  • Getragen von Frauen und Männern
  • Handschirme mit mehreren Funktionen
  • Handschirm in der Mode und zum Entfachen des Feuers

17. Jahrhundert – Faltfächer halten Einzug

Der Faltfächer löst im 17. Jahrhundert Handschirme und Federfächer in der Mode ab. Königin Elizabeth die 1. etabliert den Fächer als essentielles Modeaccessoire am Hofe. Gegen Ende des 17. Jahrhundert entwickeln sich Paris und Versailles zum Zentrum der Fächerkultur, der Mode und des Luxus.

Bildung bestimmt die Fächerblätter des 17. Jahrhunderts

  • Klassische Bildung nicht mehr beschränkt auf die Aristokratie
  • Themen auf Fächerblättern spiegeln die die Bildung der Frauen wider
  • Beliebte Themen aus der Mythologie, der Bibel und der römischen Geschichte
  • Handfächer als Mode, die jede angesehene Frau besitzen wollte
Faltfächer 17. Jahrhundert bemaltes Leder ca. 1690

17. Jahrhundert – Faltfächer mit Motiv Mythologie (bemaltes Leder) ca. 1690

Werbefächer 20. Jahrhundert von Deutz und Geldermann ca. 1910

20. Jahrhundert – Werbefächer von Deutz und Geldermann ca. 1910

20. und 21. Jahrhundert – Vergessene Statussymbole

Die Fächerkultur war auch im 20. Jahrhundert eng mit der Entwicklung der Gesellschaft verbunden. Der Fächer ist kleiner geworden und sein Blatt harmonierte mit der leichten Kleidung des frühen 20. Jahrhunderts. Blätter aus Papier und Seide mit Pastiche oder Blumenmotiven waren sehr beliebt. Billige Modelle fanden ihre Verwendung in der Werbung für Hotels und Modedesigner.

Mit dem ersten Weltkrieg verschwand der Handfächer nahezu aus dem gesellschaftlichen Leben. Heute ist die Fächerkultur nur noch ein Schatten ihrer Vergangenheit. Lediglich in Asien finden Fächer auch heutzutage noch ihren ursprünglichen Einsatz.

Die Geschichte des Fächers (Fächerkultur) schaut auf eine lange Tradition zurück. Je nach Zeit und Mode fanden unterschiedliche Formen von Handfächern ihre Akzeptanz in der Gesellschaft. Die Funktion des Handfächers wandelte sich vom Hilfsmittel für Kühlung und einem Statussymbol hin zu einem modischen Accessoire und letztendlich zum Werbeträger. Vergessen ist der Fächer bis heute jedoch nicht.