Viele verschiedene Formen oder auch Fächerarten haben sich im Laufe der Zeit herausgebildet. Vom Federfächer über den Briséfächer, bis hin zum Faltfächer und Blattfächer, haben alle Formen ihre Berechtigung in der Gesellschaft und in der jeweiligen Epoche gefunden. Die unterschiedlichen Formen der Fächer haben sich parallel zu den Bekleidungstrends und Vorlieben der Gesellschaft entwickelt. Ein Überblick über wesentliche Formen von antiken Handfächern wird hier veranschaulicht.

Federfächer – ursprünglich verwendete Form des Handfächers

Der Federfächer war die maßgebliche Fächerform, die vermutlich als Erstes verwendet wurde. Bei einem Federfächer sind anstatt eines Papier-, Seide- oder Lederblattes, übereinandergelegte Federn auf die Stäbe des Federfächers geklebt. Es lassen sich zwei unterschiedliche Formen von Federfächern identifizieren: Der Federfächer als sogenannter Faltfächer und als Stielfächer mit Blatt aus fest montierten Federn.

Besonderheiten des Federfächers

  • Federfächer bereits in der Antike genutzt
  • Im 19. bzw. frühen 20. Jahrhundert kam der Federfächer erneut in Mode
  • Häufig als Art Deco-Federfächer anzutreffen
  • Beliebt waren Federn von Gänsen, Straußen, Fasanen und Adlern
Arafederfächer mit blauen Federn ca. 1905

Federfächer mit Arafedern ca. 1905

Faltfächer mit Motiv Liebesszene ca. 1815

Faltfächer mit Liebesszene ca. 1815

Faltfächer – verbreitetste Form der Handfächer

Die bekannteste und weltweit verbreitetste Fächerform war die klassische Form des Faltfächers. Bestimmend für den Faltfächer ist das unverkennbar auf den Stäben aufliegende Blatt des Fächers. Es konnte ein Viertel bis zwei Drittel der Stablänge bedecken. Wird der Fächer zusammengeklappt, hat er die Breite seines Deckstabs.

Weg des Faltfächers nach Europa

  • Faltfächer vermutlich in Japan zwischen dem 6. und 9. Jahrhundert erfunden
  • Über Italien kam der Faltfächer nach Europa
  • Ab dem 17. Jahrhundert dominierte der Faltfächer als Fächerform in der europäischen Gesellschaft
  • Materialien des Faltfächers waren Papier, Schwanenhaut, Pergament, Stoff oder Spitze

Briséfächer – einfachste Form des Handfächers

Der Briséfächer war die einfachste Fächerform eines sogenannten faltbaren Handfächers. Aufeinandergelegte Stäbe in Form von Keilen charakterisieren den Briséfächer. Am unteren Ende des Fächers hält der sogenannte Dorn die Stäbe zusammen. Am oberen Ende des Briséfächers übernimmt ein Band, z.B. aus Seide, diese Funktion.

Briséfächer im 19. Jahrhundert

  • Wort „brisé“ aus dem Briséfächer steht für „gecknickt, zerbrochen“
  • Stäbe der Brisefächer waren aus Holz, Elfenbein, Schildpatt oder Horn
  • Fächerblatt der Briséfächer war mit schmückendem Dekor ausgestattet
  • Briséfächer waren im Europa des 19. Jahrhunderts besonders populär

Elfenbeinbriséfächer aus England ca. 1810

Briséfächer mit Stäben aus Elfenbein ca. 1810

Blattfächer mit japanischem Motiv ca. spätes 19. Jahrhundert

Blattfächer aus Japan ca. spätes 19. Jahrhundert

Blattfächer – Formen mit japanischer Herkunft

Der Blattfächer, auch Uchiwa (jap.) genannt, stellt eine der zwei unterschiedlichen Formen des Handfächers in Japan dar. Der Blattfächer gehört zu den festen Fächerformen und ursprünglich zur chinesischen Fächerkunst. Der Blattfächer ist ein mit einem Blatt überzogener Fächer, bestehend aus Stäben mit dem Material Bambus. Für gewöhnlich war der Blattfächer aus Papier und der Bambus am Ende des Blattfächers gesplissen.

Handschirm – Fächerform mit vielen Funktionen

Der Handschirm (engl. fixed fan) war ein starrer Fächer ohne Faltmechanismus. Hierbei war das Blatt als Scheibe fest an den Griff des Handfächers montiert. Das Fächerblatt wurde häufig auf beiden Seiten dekoriert. Der Handschirm fand überall auf der Welt Anwendung. Als Schutz vor Sonneneinstrahlung, dem Feuer oder zum schnellen Entfachen des Feuers.

Handschirmpaar aus England ca. 1850

Handschirm als Paar ca. 1850

Fahnenfächer Farbe lila aus Indien ca. 18. Jahrhundert

Fahnenfächer aus Indien ca. 18. Jahrhundert

Fahnenfächer – Abart des Handschirms

Der Fahnenfächer hat ebenso wie der Handschirm eine feste Form. Er kann nicht gefaltet werden und benötigt daher für den Transport eine Schachtel. Wie die Bezeichnung es verlauten lässt, ist das Fächerblatt an einer Seite des Stabs (nur ein Stab) angebracht und erzeugt somit die Form einer Fahne. Erste Fahnenfächer wurden bereits im 13. Jahrhundert genutzt.

Radfächer – Schönheit über 360 Grad

Ein auf 360 Grad aufgefächertes Fächerblatt bestimmt die Fächerart des Radfächers. Lediglich zwei lange Deckstäbe halten das Fächerblatt zusammen und bilden einen handlichen Stiel. In geschlossener Form schützen die Deckstäbe das Fächerblatt. Eine besondere Form des Radfächers war der Rad-Briséfächer, bei dem das Blatt durch Stäbe dargestellt wird.

Radfächer Farbe grün aus Frankreich ca. frühes 19. Jahrhundert

Radfächer aus Frankreich ca. frühes 19. Jahrhundert

Im Laufe der Zeit haben sich viele verschiedene Formen oder auch Fächerarten herausgebildet. Von Federfächer über Briséfächer, bis hin zu Faltfächer und Blattfächer, haben alle Formen ihre Berechtigung in der Gesellschaft und in der jeweiligen Epoche gefunden. Die unterschiedlichen Formen der Fächer haben sich parallel zu den Bekleidungstrends und Vorlieben der Gesellschaft entwickelt. Die prominentesten Handfächer waren die Federfächer und die Faltfächer.