Die Fächersprache gilt als ein Mythos, der die Geschichte des Fächers seit dem 18. Jahrhundert eng begleitet. Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, ob es die geheime Form der Kommunikation mit dem Handfächer tatsächlich gab. Vielleicht handelte es sich um eine Geheimsprache oder lediglich um die Marketingmaßnahme eines findigen Fächerherstellers aus Paris. Gleichwohl bedienten sich die Damen beim Versand von Liebesbotschaften des modischen Accessoires, dem Fächer.

Fächersprache – Ausdruck von Kommunikation mit dem Fächer

Vielfach beschrieben als Geheimsprache, drückte sich diese Art der Kommunikation aus in einer bestimmten Haltung des Fächers. Jede Position, jede Geste wurde mit Bedacht gewählt, um ein Gefühl, einen Gemütszustand oder eine Botschaft  (Liebesbotschaften) darzustellen. Zum Verständnis war es unerlässlich die Bedeutung der jeweiligen Gesten mit dem Fächer zu kennen.

Fächersprache im engeren Sinne

  • Verständigung mit gezielten Fächergesten als Form der Kommunikation
  • Adressat der Botschaft kannte Bedeutung der jeweiligen Bewegung mit dem Fächer
  • Fächersprache als verschlüsselte Liebesbotschaft in Form einer Geheimsprache
Faltfächer mit Motiv Fächersprache ca. 1720

Faltfächer mit Motiv Fächersprache ca. 1720

Faltfächer mit Eruption des Vesuv ca. 1779

Faltfächer mit Motiv Eruption Vesuv ca. 1779

Nonverbale Kommunikation mit dem Handfächer

Der Handfächer diente vermutlich nicht nur dem Flirt mit dem Liebsten. Durch ihn konnte zudem die Trägerin ihren Launen und Absichten Ausdruck verleihen. Das Spiel mit dem Fächer war somit die diskreteste Form von Kommunikation mit dem anderen Geschlecht.

Kommunikation im weiteren Sinne

  • Haltung des Fächers unterstrich die eigene Körpersprache
  • Keine bewussten Gesten mit dem Handfächer
  • Unterstützen des Flirts und des Versendens von Liebesbekundungen

Neben der nonverbalen Kommunikation fand der Handfächer auch in der verbalen Verständigung seinen Einsatz. So diente der Handfächer als Überbringer von Nachrichten. Ein rein „zufällig liegengelassener“ Fächer konnte geschriebene Liebesbotschaften für den Geliebten enthalten. Auch das Fächerblatt selbst umfasste Lieder, Notenblätter oder Gedichte.

Geheimsprache oder missverstandener Ausdruck von Botschaften der Liebe?

Immer wieder wird im Zusammenhang mit der Verständigung durch den Handfächer von einer Geheimsprache (verschlüsselte Form der Kommunikation) gesprochen. Fest steht, sowohl Sender, als auch Empfänger mussten Kenntnis von der jeweiligen Bedeutung der Fächergesten haben. Nur so konnte die jeweilige Botschaft verstanden werden.

Zum Aufkommen der Fächersprache war die Nutzung des Fächers nur in gehobenen Gesellschaftskreisen üblich. Daher ließ sich davon ausgehen, dass die Fächersprache als Geheimsprache zunächst nur wenigen bekannt war. Erst im 19. Jahrhundert etablierte sich der Handfächer auch beim Bürgertum, der Geistlichkeit und den Kaufleuten.

Geheimsprache in Form von Gesten

  • Verschlüsselte Kommunikation in gehobenen Kreisen (Geheimsprache)
  • Trend der sich in allen Schichten ausbreitete
  • Allgemeine Verbreitung durch Anleitung zur Nutzung einzelner Gesten mit dem Fächer
Faltfächer mit japanischem Motiv ca. 1870

Faltfächer mit japanischem Motiv ca. 1870

Ursprung und Verbreitung der Fächersprache

Als Ursprungsort der Fächersprache wird in der Literatur oftmals Spanien erwähnt und von der „lenguaje de abanico“ gesprochen. Eine erste Nennung in der Literatur, in satirischem Kontext, findet sich 1711. Einige Jahre später, 1757, werden bestimmte Varianten einen Fächer zu halten verschiedenen Gemütsbewegungen zugewiesen.

Faltfächer mit Motiv Hähne ca. 1893

Faltfächer mit Hähnen ca. 1893

Im frühen 19. Jahrhundert übersetzte Jean Pierre Duvelleroy die Fächersprache vom Spanischen ins Englische und publizierte eine Anleitung. Sie stellte eine Aufzählung einzelner Fächergesten und ihrer Bedeutung dar. Fortan diente seine Broschüre als Beigabe beim Kauf teurer Handfächer seines gleichnamigen Fächerhauses.

Höhepunkt der „Kunst der Fächerbewegung“

  • Blütezeit der Fächersprache im 18. und 19. Jahrhundert
  • Fächerakademien für das Erlernen der Fächersprache bildeten sich in London und Paris
  • Geheimsprache als Form der Kommunikation unter jungen Leuten

Bis heute ist die tatsächliche Existenz und Nutzung des Fächers für die sogenannte Fächersprache umstritten. Am wahrscheinlichsten ist die Verbreitung dieser Art der Kommunikation als Marketingmaßnahme des Fächerherstellers Duvelloroy. Ziel war die Vermarktung seiner Handfächer. Mit abnehmender Fächermode im 20. Jahrhundert geriet auch die Fächersprache als Geheimsprache in Vergessenheit.